Geschichte des Instituts

Zur Geschichte der Sorabistik

Die ersten Anfänge


Die erste sorbischsprachige Ausbildung begann an der Alma Mater Lipsiensis im Jahre 1716 mit der Gründung des sorbischen Predigerseminars „Societas Lusatorum Sorabica“ durch einige sorbische Studenten der evangelischen Theologie. Neben Sprach- und Predigerübungen entstanden gedruckte Abhandlungen zur wendischen [= obersorbischen] Sprache und eine handschriftliche Zeitung. Mit der Trennung des „Sorabicums“ als spezielle Abteilung (Seminar) innerhalb der „Lausitzer Predigergesellschaft“ wurde 1815 eine separate wissenschaftliche Abteilung mit dem Namen „Sorabia“ geschaffen. Durch die Herausgabe der „Sserska nowina“ von Handrij Zejler und Hendrich August Krygar war es nun möglich, eigene Werke, Volkslieder und Sprichwortsammlungen zu veröffentlichen. Auf diese Weise hinterließen die Mitglieder der „Sorabia“ einen wichtigen Fundus für die sorabistische Forschung.

 

1842 wurde der Sorbe Jan Pětr Jordan als Lektor und Doktor für slawische Sprachen und Literaturen an die Universität berufen und 1870 der Lehrstuhl für slawischen Sprachvergleich mit besonderer Berücksichtigung der wendischen Sprache gegründet. Als August Leskien 1876 als ordentlicher Professor für slawische Philologie seine Tätigkeit aufnahm, weckte die sorabistische Sprachwissenschaft sein Interesse und es fanden Vorlesungen zur ober- und niedersorbischen Grammatik statt. Der Slowene Matija Murko, Nachfolger Leskiens und ordentlicher Professor für slawische Philologie von 1917-1920, engagierte sich ebenfalls für die Sorabsitik und schlug die Gründung eines Lektorats für Sorbisch in Leipzig vor. Dies gelang ihm zunächst nicht, aber er konnte 1933 an der Karls-Universität in Prag die erste Professur für sorbische Sprache und Literatur mit Josef Páta besetzen.
Max Vasmer hatte von 1921 bis 1925 den slawistischen Lehrstuhl an der Universität Leipzig inne und veröffentlichte einige interessante Arbeiten zu sorabistischen Themen. Karl Heinrich Mayer, Indogermanist und klassischer Philologe, bot als Privatdozent für slawische Philologie von 1921 bis 1927 Vorlesungen zur historischen Grammatik der sorbischen Sprache, zu sorbischen Volksliedern und Textinterpretationen an. Auch Reinhold Trautmann, Lehrstuhlinhaber für Slawistik, hegte  große Sympathie für die Sorben und hielt in den 30iger Jahren Vorlesungen zur sorbischen Sprachgeschichte.

 

Nach 1945


Das Jahr 1946 markierte einen Umbruch für die Sorabistik. In Radibor wurde das sorbische Lehrerbildungsinstitut gegründet und so die didaktisch-wissenschaftliche Tätigkeit wiederhergestellt. Mit der Verabschiedung des Sorbengesetzes 1948 in Sachsen bemühte man sich intensiv um die Einrichtung einer universitären sorabistischen Institution.

Reinhold Olesch, Ordinarius für slawische Philologie und Direktor des Slawischen Instituts an der Universität Leipzig, begründete 1949 das Lektorat für (ober)sorbische Sprache. Dazu wurde Michał Nawka als Dozent engagiert. So wurden anfangs in zwei Kursen 15 Studenten mit 8 Wochenstunden unterrichtet. Im gleichen Jahr entstand die sorbische Studentenorganisation „Sorabija“, die sich programmatisch von der „Wendischen Predigergesellschaft“ und „Sorabia“ grundlegend unterschied, sich aber durchaus deren Traditionen verpflichtet fühlte.

 

Unsere Einrichtung wurde am 06. September 1951 unter dem Namen „Sorbisches Institut“ an der Universität Leipzig gegründet. Sie bestand damals aus zwei Abteilungen: „Sprache und Literatur“ war mit dem Slawischen Institut verknüpft und die „Abteilung für sorbische Geschichte“ arbeitete mit dem Historischen Institut der Fachrichtung Geschichte zusammen. So wurden anfangs vorwiegend Lehrer, Diplom-Slawisten und Historiker ausgebildet. Im Jahre 1968 erfolgte nach der zweiten Hochschulreform der DDR die Umbenennung in „Institut für Sorabistik“. Im Zuge der ersten Hochschulreform wurde Pawoł Nowotny von 1951-1953 kommissarischer Leiter des Sorbischen Instituts. 1955 wurde Pawoł Nedo zum Direktor ernannt und mit Wirkung seiner Wahrnehmungsprofessur mit Lehrauftrag für sorbische Volkskunde zum Beginn des Studienjahres 1960/61 auch offiziell in seinem Amt als Leiter bestätigt. Dank seiner Unterstützung wurde 1981 die Studienkombination Kulturwissenschaften/Sorabistik eingeführt. Im Jahre 1964 übernahm Heinz Schuster-Šewc den Lehrstuhl und das Amt des Direktors, danach zeitweise auch der Historiker Jan Brankačk.

 

Nach 1989

Mit der politischen Wende 1989 und strukturellen Veränderungen, verbunden mit Personalabbau, erhielt das Institut für Sorabistik seine heutige Organisationsform. Nach Ronald Lötzsch und mehreren kommissarischen Leitungen (Wolfgang Sperber, Wolfgang F. Schwarz, Gerhild Zybatow, Tadeusz Lewaszkiewicz) übernahm Eduard Werner im Jahre 2003 die Professur und Geschäftsführung.

Ein ausführlicher Aufsatz zur Geschichte, Lehre und Forschung der Sorabistik an der Leipziger Universität ist von Dr. Tomasz Derlatka verfasst worden. Er wurde im Rahmen des 600. Universitätsjubiläums veröffentlicht und ist hier (PDF) abrufbar.

letzte Änderung: 18.10.2016